DAB-Panelstudie

Übersicht zentraler Ergebnisse

Beim Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsausbildung und beim darauffolgenden Übertritt in den Arbeitsmarkt treffen Jugendliche eine Reihe folgenschwerer Entscheidungen. Unsere Studie beschäftigt sich mit zwei solcher Entscheidungen: der Wahl einer spezifischen Lehrstelle nach der obligatorischen Schulzeit sowie der Wahl der ersten Arbeitsstelle nach Abschluss der Berufslehre. Welche Merkmale von (Lehr-)Stellenangeboten sind (zukünftigen) Lernenden dabei wichtig? Unsere hierfür durchgeführten Experimente zeigen, dass die inhaltliche Passung der (Lehr-)Stelle mit der gewünschten beruflichen Spezialisierung das wichtigste Kriterium für die Wahl einer (Lehr-)Stelle ist. Reguläre Arbeitszeiten ohne Wochenend- und Abenddienst sowie die Möglichkeit, nach der Lehre vom Betrieb übernommen zu werden, sind weitere Kriterien, nach denen angehende Lernende ihre Lehrstelle aussuchen. Zudem zeigt sich, dass Absolventinnen und Absolventen einer Berufslehre bereit sind, Einbussen im Gehalt ihrer ersten Anstellung hinzunehmen, wenn ihnen ein unbefristeter Vertrag angeboten wird oder das Unternehmen Weiterbildungswünsche unterstützt.

 

Die Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf der Sekundarstufe I zeigt, dass bereits während der obligatorischen Schulzeit hohe soziale Selektivität der Bildungsbeteiligung vorliegt. Am Übergang in die Sekundarstufe II zeigen die Daten der DAB Panelstudie Unterschiede im Entscheidungsverhalten nach sozialer Herkunft, bezüglich des Verlaufs der Ausbildungsentscheidung und bezüglich der Entscheidung zwischen Ausbildungsalternativen. Dabei wirken sowohl primäre und sekundäre Effekte sozialer Herkunft als auch ethnische Herkunftseffekte.

In der 8. Klasse wissen die meisten Schülerinnen und Schüler, welcher Ausbildungstyp auf der Sekundarstufe II für sie infrage kommt. Ungleichheiten bei der erfolgreichen Realisierung dieses Ausbildungswunsches bestehen nach Geschlecht und nach Schultyp auf der Sekundarstufe I. Schülerinnen gelingt dabei der direkte Eintritt in eine zertifizierende Ausbildung der Sekundarstufe II deutlich schlechter als Schülern. Schülerinnen des Schultyps mit erweiterten Anforderungen weisen jedoch einen höheren Anteil mit Aspirationen für eine Mittelschule auf und setzen ihre Bildungsabsicht zu einem höheren Anteil um als Schüler. Trotz Aspiration für eine berufliche Ausbildung treten Jugendliche des Schultyps mit Grundanforderungen zu einem geringeren Anteil direkt in eine Berufsausbildung ein als Jugendliche des Schultyps mit erweiterten Anforderungen. Wie beim Übergang in die Sekundarstufe I bestehen auch bei den Ausbildungsaspirationen und beim Übergang in die Sekundarstufe II deutliche Unterschiede nach Bildungsniveau und Sozialstatus des Elternhauses.

Fast ein Fünftel der Mädchen und Knaben der DAB Panelstudie entwickeln so genannte geschlechtsspezifische Berufsaspirationen. Die Präferenz für „Frauen- bzw. Männerberufe“ ist jedoch nur nachrangig auf Geschlechterrollenorientierungen zurückzuführen, vielmehr liegen diesem Effekt subjektive Einschätzungen von Restriktionen und Opportunitäten für die verschiedenen Ausbildungsalternativen zugrunde.

Neben Aspekten der sozialen Herkunft und damit eng verbunden der schulischen Leistung, stehen die Bildungschancen von Jugendlichen in Zusammenhang mit den regionalen Gelegenheitsstrukturen und den offenstehenden Ausbildungsalternativen. Je umfangreicher die regionalen Gelegenheitsstrukturen sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche eine allgemeinbildende Ausbildung absolvieren, während das Gegenteil auf berufsbildende Ausbildungen zutrifft. Jugendliche aus Regionen mit vergleichsweise eingeschränkten Gelegenheitsstrukturen verfügen zudem über geringere Möglichkeiten, eine Zwischenlösung zu absolvieren und sind deshalb eher gezwungen, direkt eine berufliche Ausbildung zu beginnen.

  • Glauser, D., & Becker, R. (2016). VET or general education? Effects of regional opportunity structures on educational attainment in German-speaking Switzerland. In: Empirical Research in Vocational Education and Training, 8(8), 1-25, stable URL: http://rdcu.be/nfFk.
  • Glauser, David und Becker, Rolf. 2017. Gelegenheit macht Bildung. Regionale Gelegenheitsstrukturen und nachobligatorischer Bildungserwerb in der Deutschschweiz. In: SGAB Newsletter 02/2017.

Die Berufsmaturität wird nicht nur immer stärker nachgefragt, sondern bereits an der ersten Schwelle von den Schülerinnen und Schülern explizit als Ausbildungsweg aspiriert. Damit stellt sie neben der klassischen Berufslehre und dem Abschluss eines Gymnasiums bzw. einer Mittelschule eine wichtige Bildungsoption im Entscheidungsspektrum jugendlicher Schulabgänger am Ende der obligatorischen Schulzeit dar.

  • Jäpel, Franziska. 2017. Die Berufsmaturität als Ausbildungsalternative. Einflussfaktoren individueller Bildungsentscheidungen am Übergang in die nachobligatorische Ausbildung. Haupt Verlag.
  • Jäpel, Franziska. 2017. Die Berufsmaturität als Ausbildungsalternative. In: SGAB Newsletter 06/2017.